Erlebnisberichte

REKO: Peru abseits von Machu Picchu und Inka

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20. März 2017 von Privat: Peter Lorenz

WO DIE SANDWÜSTE AUFS MEER TRIFFT

Kaum verlasse ich Lima, das mit kolonialen Spuren maurischen Einflusses und einer hervorragenden Küche überrascht, kriege ich zu sehen, wieso die Hauptstadt Perus als die zweitgrösste Stadt in einer Wüste gilt: Sand und karge Berglandschaften der Andenausläufer treffen auf den blauen Pazifik. Und mitten hindurch die moderne Schnellstrasse, auf der man in etwas weniger als drei Stunden nach Paracas gelangt.

Bei Peru denkt man zuerst an Machu Picchu, die farbigen Indigena-Märkte und die pittoreske Kolonialstadt Cuzco in den Anden. Der trockene Küstenstreifen, der dank eines ausgeklügelten prä-Inka entwickelten Bewässerungssystems eine vielfältige Agrarwirtschaft ermöglicht, steckt aber voller Überraschungen. So bin ich sehr erstaunt, dass ich kurz vor Paracas, mitten in der Wüste, die Weinberge vorfinde, die Trauben für den herausragenden Pisco 1615 liefern. Die moderne Bodega liefert das Nationalgetränk Perus bis in die besten Restaurants in London und Frankreich, das stilistische, von einheimischen Architekten entworfene Gebäude im Grünen überzeugt durch seine Schlichtheit.

Nach kurzer Fahrt erreiche ich Paracas. Das kleine Fischerdorf mit farbigen Booten und Pelikanen oben drauf hat sich in den letzten Jahren zu einem Wochenendziel für gutbetuchte Limeños entwickelt. Dank dieser Entwicklung finden sich nun Luxushotels direkt am Meer, in welchen man hervorragendes Ceviche und Pisco Sour zum Sonnenuntergang geniessen kann. Das Meer wird wegen dem Humboldtstrom kaum über 20° Grad warm. Dank diesem aber weist es einen kaum endenden Fischreichtum vor und bietet eine abwechslungsreise Fauna.

GUANO SCHNUPPERN

Beim zweistündigen Bootsausflug zu den nahegelegenen Ballestas-Inseln werde ich davon Zeuge. Auf engstem Raum sehe ich auf mehreren steil aufragenden Felsformationen verschiedene Kolonien von Seehunden, Pelikanen, Möwen, Blaufusstölpeln und Humbold-Pinguinen. Das Gezwitscher der Tiere ist nicht zu überhören. Das farbige Bild der Felsformationen, dem dunkelblauen Pazifik…und dazu der Gestank des Guano versetzt einen in eine andere Welt. Guano ist ein feinkörniges Gemenge von verschiedenen Phosphaten, welches aus den verschiedenen Exkrementen der Tiere besteht – kurz gesagt hauptsächlich Vogescheisse. Dieser Guano eignet sich aber ideal als Dünger. So erlebte Peru Ende des 19 Jh. einen regelrechten Guano-Boom. Heutzutage ist dieser Wirtschaftszweig geregelt und Guano darf nur noch alle sieben Jahre abgebaut werden – wohlverstanden wird dann über einen Meter Guano abgetragen.

Bei der Rückfahrt stosse ich ein erstes Mal auf „Linien“ im Boden. Um den „Candelabro de Paracas“, den Kerzenleuchter von Paracas, drehen sich verschiedenen Legenden. Mächtig über einer Klippe im harten Sandboden soll er Seefahrern den Weg gewiesen haben. Andere Theorien zeigen auf, dass er auch bereits zur Zeit der prähistorischen Nazca und Paracas-Völker entstanden sein soll.

BERÜHMTE NAZCA-LINIEN

Genau über diese mystischen Nazca-Linien bin ich dann am nächsten Tag geflogen. Bequem ging‘s vom nahegelegenen Flughafen in Pisco mit einer modernen Cessna-Maschine Richtung Süden. Grosse oasenartige Anbauflächen wurden überflogen, bis dann auf dem Nazca-Plateau die ersten Linien sichtbar wurden. Diese riesigen Scharrbilder weisen eine Grösse von 10 bis über 100 Meter auf. Schnurgerade Linien wurden in die trockene Nazca-Wüste „gegraben“, welche vom Boden aus nicht erkennbar sind. Abbildungen von Vögeln, Spinnen, Walen und sogar Astronauten geben Rätsel auf, über die genaue Entstehung gibt es auch wieder mehrere Theorien. Die wahrscheinlichste ist aber, dass es sich um die Gestaltung von Fruchtbarkeitsritualen handelt, welche von der Nazca-Kultur zwischen 800-600 v.Chr. angelegt wurden.

Als geistige Erholung von diesem Wunder einer längst ausgestorbenen Hochkultur eignet sich der Ausflug auf die Paracas-Halbinsel ins Naturreservat. Eine skurille, aber dennoch wunderschöne Landschaft entfaltet sich vor meinen Augen: gelber Sand, rote Klippen, blaues Meer und weisser Wellenschaum – Natur pur. Hinter jedem Felsvorsprung wartet ein neues, spektakuläres Landschaftsbild. Ich geniesse den Sonnenuntergang im Pazifik und bestaune das Farbenspiel von Himmel, Sonne und kargen Felsformationen.

 

MEHR SEHEN, ANDERS ERLEBEN – PERU

Video-Clip von der Fahrt um die Islas Ballestas.
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