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8. Dezember 2017 · von Felix Blumer

DIE KÜHLE HEIMAT VON BÄREN, ELCHEN UND WÖLFEN

Wenn die Landung vor dem Start erfolgt – unsere Luzerner Zeitung- und Tagblatt-Reise führt mit Icelandair über Reykjavik nach Anchorage, der grössten Stadt im nördlichsten US-Bundesstaat Alaska. Speziell: Wir landen in Ortszeit in Anchorage 40 Minuten früher, als wir in Island gestartet sind. Nach der rund 12-stündigen Reise beziehen wir unser Hotel.

Am zweiten Tag teilt sich die Gruppe. Auf dem Programm stehen der fakultative Ausflug mit einem Wasserflugzeug zur Bärenbeobachtung in den Lake Clark Nationalpark oder eine Stadtrundfahrt mit Besichtigung des Alaska Native Heritage Centers. Dort erfahren wir viel über das Leben der fünf kulturellen Untergruppen in Alaska. Der Nachmittag steht zur freien Verfügung – und zur Bewältigung des Jetlags.

NATUR PUR AM PRINCE WILLIAM SOUND

Einer der Höhepunkte der Reise steht am dritten Tag auf dem Programm. Mit dem Car geht es von Anchorage nach Whittier. Speziell ist die Fahrt durch den während dem zweiten Weltkrieg erstellten Tunnel, der gleichzeitig Auto- und Eisenbahntunnel ist und jeweils nur in einer Richtung befahren werden kann.

In Whittier besteigen wir ein kleines Ausflugsschiff, das mit uns eine ganztägige Tour durch den Prince William Sound macht. Glücklicherweise hat Petrus Kenntnis von unserer Expedition, und so findet der Ausflug bei fast wolkenlosem Wetter statt. Entsprechend wirkt die Farbenpracht auch einmalig. Das Wasser und der Himmel sind tiefblau, die Wälder kräftig grün, und immer wieder tauchen weisse Gletscher auf.

Aufgrund der globalen Erwärmung reichen aber nur noch ganz wenige Gletscher bis ans Meer. Trotzdem sehen wir einen kleinen Eisabbruch ins Wasser. Auf der Rückfahrt machen wir Halt an einem Bach, in dem es nur so von Lachsen wimmelt. Jeder denkt dabei: Bär müsste man sein! Da schwimmt einem der Lachs direkt ins offene Maul.

AUF DEN HUND GEKOMMEN!

Tag 4 führt uns weg von Anchorage zur Hundefarm von Martin Buser. Martin Buser wuchs in Effretikon im Kanton Zürich auf. Schon in jungen Jahren zog es ihn nach Alaska, wo er Schlittenhunderennen bestritt. Seine vier Siege am Iditarod-Rennen, dem längsten und wichtigsten Hundeschlittenrennen der Welt, machten Martin in Alaska zur Legende.

Seit meinem letzten Besuch 2012 hat der seine Farm völlig umgebaut. Heute gibt es ein grosses Visitor Center, wo Videos vorgeführt werden. Martin lässt es sich aber nicht nehmen, uns eine persönliche Demonstration seiner Trainingsgefährten zu geben. Faszinierend ist für uns Laien, wie sich die Hunde vor Freude fast überschlagen, wenn sie vor den Schlitten gespannt werden. Das nennt sich Arbeitsmoral! Für den absoluten Jö-Faktor auf der Farm sorgen die zwölf Tage alten Welpen.

Nach dem Besuch auf der Hundefarm geht es nach dem Mittagessen noch auf eine Moschus-Ochsenfarm. Dort hält sich der Jö-Faktor eher in Grenzen, sind die Tiere doch schlicht zu kräftig und zu massig. Von den Herausforderungen der Landwirtschaft in Alaska sind wir aber nicht minder fasziniert.

EINE ZUGFAHRT DER EXTRAKLASSE

Am fünften Tag geht unsere Reise weiter Richtung Denali-Nationalpark. Dazu benutzen wir die Alaska-Eisenbahn. Im zweistöckigen Salonwagen lassen wir es uns so richtig gut gehen, und auch das Mittagessen vermag trotz Zugsbedingungen höheren Ansprüchen zu genügen.

Einzig die dicken Wolken sorgen auf der Fahrt durch die Farbenpracht des Indian Summers für einen unerwünschten grauen Schleier. Das Top-Ereignis haben wir aber auf der fünfminütigen Fahrt vom Bahnhof zum Hotel. Da steht doch am Strassenrand tatsächlich ein gelangweilter Elch.

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    Wohnhöhlen der Ureinwohner

ACHT BÄREN UND EIN GIGANTISCHER BERG

Der sechste Tag führt uns in den Denali-Nationalpark. Auf der langen Fahrt durch den Park sehen wir insgesamt acht Bären, sonst sind die Tiere an diesem Tag aber eher scheu. Dennoch wird es auf der Fahrt keine Sekunde langweilig. Die Geologie der Gegend und das Farbenspiel der Steine sind atemberaubend.

Über der ganzen Fahrt steht immer ein grosses Fragezeichen: Sehen wir ihn oder sehen wir ihn nicht? Wir haben Glück. Genau in dem Moment, wo wir den nächsten Punkt zum Denali-Bergriesen erreicht haben, lockern sich die Wolken auf und geben den Blick frei auf den 6‘190 Meter hohen Berg. Der Denali ist der höchste Berg auf dem nordamerikanischen Kontinent. Bis 2015 hiess er offiziell Mount McKinley.

ZIRKUMZENITALBOGEN UND ENONGEKÜHLTE PIPELINE

Mein letzter Tag in Alaska startet wissenschaftlich. Auf der morgendlichen Fahrt vom Denali-Nationalpark nach Fairbanks bietet uns der Himmel ein lichtoptisches Spektakel. Es sind Haloringe und Nebensonnen zu sehen, und auch die Regenbogenfarben eines Zirkumzenitalbogens sorgen für Begeisterung.

Um die Mittagszeit besuchen wir knapp ausserhalb von Fairbanks die Transalaska-Pipeline, die vom Norden des Bundesstaates zum südlich gelegenen Hafen Valdez führt. Diese Pipeline ist ein absolutes Hightech-Werk. Einerseits führt sie durch ein Erdbebengebiet und andererseits stehen ihre Pfeiler auf Permafrost. Diese Pfeiler müssen mit Neon gekühlt werden, damit der Boden nicht aufschmilzt. Andernfalls könnte die Stabilität der Träger nicht garantiert werden.

Am Abend heisst es für meinen erwachsenen Sohn und mich: Abschied nehmen von der Gruppe. Für die Gäste geht es mit Werner Eggimann weiter ins Yukon-Valley, für uns über Seattle und einen dreitägigen privaten Urlaub in Island zurück in die Schweiz. Es bleibt die Erinnerung an eine wilde, oft unerforschte Natur und eine artenreiche, weitgehend ungestörte Tierwelt.

 

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