Erlebnisberichte
BERICHT: Usbekistan – Drei Städte und eine grüne Überraschung
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20. Mai 2026 von Jan Gross
Unterwegs im Auftrag von guten Geschichten. Im Mai durfte unser Marketingkollege Jan Gross eine cotravel Reise begleitet. Gelandet ist er im märchenhaften und noch weitgehend unentdeckten Usbekistan, das ihn mit seinen Gewürzen, Farben und Monumenten sofort verzaubert hat. Entlang der Reiseroute ist er in drei völlig unterschiedliche Städte eingetaucht und in einem abgelegenen Naturparadies gelandet, das gerne übersehen wird. Zurückgekommen ist er mit einem vollen Rucksack an Eindrücken und persönlichen Highlights die er hier nun teilt.
Buchara – wo die Zeit stillsteht
Wer den Zauber aus 1001 Nacht hautnah erleben möchte, ist in Buchara bestens aufgehoben. Die verwinkelten Gassen der Altstadt, die türkisblauen Kuppeln der Medersen und der Duft von frisch gebackenem Non-Brot – hier wird deutlich, dass die Seidenstrasse kein Mythos, sondern gelebte Geschichte ist. Vorbei an einem Mosaik aus prächtigen Monumenten wie der Koʻkaldosh-Medresse oder dem Chor Minor, lassen wir uns hier gemütlich treiben. Einmal quer durch den Toqi Sarrofon Basar, über die lebendige Labi Hovuz Plaza und entlang von zahlreichen malerischen Cafés und Geschäften. Die «Jagd» nach den besten Fotos der zahlreichen Baukunstwerke im historischen Zentrum – das seit 1993 offiziell zum UNESCO Weltkulturerbe gehört – erinnert mich stark an das euphorische Füllen des Paninialbums in Kindheitstagen. Und hinter jeder Ecke türmen sich neue architektonische Wunder und Prachtbauten, die einen Platz in meiner Fotogalerie verdienen.

Nuratau Gebirge – Abstecher ins Nirgendwo
Kultur? Check. Geschichte? Check. Was jetzt noch fehlt, ist ein bisschen Durchatmen in der Natur. Dieser Teil der Reise ist etwas ganz Besonderes – und gehört für mich definitiv zu den Höhepunkten. Vom Reisecar geht’s in das Privatauto eines Einheimischen und kurvige Strassen hinauf ins idyllische Nuratau-Gebirge. Wo Kühe, Ziegen und Esel im Weg stehen, wird rasch gehupt. Einheimische grüssen unterwegs mit einem Lächeln und Kopfnicken. Auf etwa 1000 Meter über Meer eröffnet sich rund um das Hayat Guesthouse ein ruhiger Garten Eden mit weitläufigem Garten und plätscherndem Bach. Logischerweise sind die Verhältnisse hier etwas einfacher im Vergleich zu den anderen Boutiquehotels – aber ist das nicht gerade der Reiz der Sache? Die usbekische Gastfamilie kocht für uns, die Kinder spielen inmitten der Gäste. Angenehm milde Temperaturen locken zu Petroglyphenwanderungen oder dem Besuch einer 3000 Jahre alten Zypresse, die der Sage zufolge Alexander der Grosse eigenhändig gepflanzt haben soll. Unterwegs duftet es herrlich nach wilden Kräutern und Blumen, immer mal wieder zischen kleine Vögel vorbei. Mehr Märchen geht nicht.
Samarkand – Blau so weit das Auge reicht
Während Buchara beinahe an ein Freilichtmuseum erinnert, bewegt man sich in Samarkand mehr am Puls des usbekischen Lebens. Klar sind hier ebenfalls Monumente in Hülle und Fülle zu finden – besonders beim Anblick des Registan läuft mir ein Schauer den Rücken hinunter. Drei monumentale Medersen rahmen den grössten Platz Zentralasiens ein – und selbst mit Weitwinkel lassen sich seine überwältigenden Farben und Dimensionen kaum einfangen. Für mich ist es der Spagat zwischen Ursprünglichkeit und Moderne, der diese Stadt ausmacht. Tagsüber besuchen wir die strahlend blaue Gräberstrasse Shah-i Sinda oder lassen uns von Reichsgründer Timurs Moschee (Bibichonim-Moschee) und Grabstätte (Gur-Emir-Mausoleum) begeistern. Abends kehren wir ein in modernen Restaurants, geniessen das schmackhafte Nationalgericht «Plov» und lassen die intensiven Tage bei einem Schlummertrunk auf der Dachterrasse ausklingen. Kleiner Tipp an dieser Stelle: Das usbekische Volk kann vieles. Wein gehört allerdings nicht zu seinen Stärken. Von daher rate ich eher zu Bier oder einer Tasse Grüntee.

Taschkent – Sowjetnostalgie trifft Moderne
Nur etwas mehr als zwei Zugstunden von Samarkand entfernt, befindet sich die grösste Metropole Usbekistans: Taschkent. Mit über 3 Millionen Einwohnern ist es nicht nur die Hauptstadt des Landes, sondern nach Kabul auch die zweitgrösste Stadt in ganz Zentralasien. Entsprechend jung und pulsierend ist die Energie hier im Vergleich zu den bisher besuchten Orten. Umso reizvoller ist für mich der Kontrast zwischen urbanem Flair und dem russisch-sowjetisch geprägten Stadtbild. Fast schon brutalistisch ragen die Betonfassaden in die Höhe und zeigen eine ganz andere, viel weniger verschnörkelte Seite von Usbekistan. Besonders lohnend für alle Architekturfans ist eine Erkundungstour durch die einzige zentralasiatische Metro, wo sich ein wunderbar gestalteter Bahnhof an den nächsten reiht. Wer die orientalische Magie vermisst, deckt sich am Chorsu-Basar mit lokalen Köstlichkeiten (Dörrfrüchte und Nüsse!) und prachtvollem Handwerk (Seidenschals!) ein – oder macht einen Abstecher in eines der vielen Museen der Stadt, etwa das Museum of Applied Arts oder das Staatliche Temuridenmuseum.
Usbekistan ist ein Land mit vielen Gesichtern– und es lohnt sich, jedes davon zu entdecken. Abgesehen vom beeindruckenden Facettenreichtum und der bewegten Geschichte bleiben mir neben den imposanten Bauwerken vor allem die Begegnungen mit den Einheimischen, die einen stets mit offenen Armen empfangen. Und natürlich der eine oder andere Anblick, der einen noch lange nicht loslässt.
Sie möchten selbst in die faszinierende Welt Usbekistans eintauchen? Vom 30. April bis 13. Mai 2027 findet die nächste Durchführung dieser Reise statt.



















