Erlebnisberichte

REKO: Unterwegs im Herzen Brasiliens

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14. Januar 2016 von Privat: Peter Lorenz

KOLONIALBAUTEN, MINEN & KULINARISCHE HIGHLIGHTS

Unser Projektleiter Peter Lorenz ist mittlerweile in Südamerika genauso zuhause wie in der Schweiz. Verheiratet mit einer Brasilianerin kennt er sich insbesondere in ihrem Land bestens aus. Zur Vorbereitung auf die NZZ Reise im Juli besuchte er eine weniger bekannte Region des Landes und teilt mit uns seine Eindrücke.

HISTORISCHE EINDRÜCKE

Bom dia, tudo bem? Mais uma cervejinha? Mit einem Kopfnicken bestätige ich die Frage und schon kurz darauf bringt uns der Kellner eine weitere Flasche gut gekühltes Bier und stellt sie in die dafür vorgesehene Plastikfassung auf den Tisch, damit sie bei den warmen Temperaturen weiterhin schön kalt bleibt. Ich verbringe die Weihnachtszeit in Belo Horizonte, eine der grössten Städte Brasiliens und Hauptstadt vom Bundesstaat Minas Gerais. Obwohl Belo Horizonte die erste Stadt in Brasilien ist, die auf dem Reisbrett nach dem Vorbild Washington D.C.‘s entworfen wurde, bietet das Hinterland die wohl eindrücklichsten Spuren der portugiesischen Kolonialzeit des Landes. Ein Ausflug zurück in eine andere Geschichtsepoche, entlang der Estrada Real“, der sogenannten Königsstrasse, darf auf keinen Fall fehlen. Dieses Mal nutzte ich die Gelegenheit, einige Lokalitäten aufzusuchen, die Sie als Teilnehmer der NZZ Brasilien Leserreise diesen Sommer kennenlernen werden.

MINENABENTEUER

Kaum habe ich Belo Horizonte verlassen wird einem klar, wieso der Bundesstaat Minas Gerais, auf Deutsch „allgemeine Minen“, genannt wird. Ständig sieht man vorbeifahrende Lastwagen mit „VALE“- Aufdrucken – hierbei handelt es sich um eines der drei grössten Bergbauunternehmen weltweit – die auf den Abbau hinweisen. Heute wird in Minas Gerais kaum mehr unter Tage in den Minen abgebaut. Die Erde wird stattdessen im Tagebau in riesigen Installationen gefördert, bearbeitet und das so gewonnene Eisenerz zur Verschiffung in die Häfen von Vitoria und Rio de Janeiro transportiert.

GOLDFUNDE & SAKRALBAUTEN

Immer wieder sehe ich die Abbaustellen und die langen Güterzüge entlang der Strasse nach Ouro Preto und Mariana, zwei historische Kolonialstädte etwa 90 Minuten Fahrzeit von Belo Horizonte entfernt. Dort haben schon die Portugiesen den Reichtum der Erde entdeckt – Gold. Die fast unzähligen Barockkirchen in beiden Städten zeugen noch heute davon. Als Kontrast zum modernen Eisenerzabbau besuche ich in Mariana die „Mina da Passagem“, eine ehemalige Goldmine. Inmitten des grünen Waldes kann man auf den originalen Gleisen bis 300 m unter Tage fahren, sogar der Motor sei wohl noch von anno 1931. Zurück in Ouro Preto schlendere ich durch die steilen von Kopfsteinpflastern bedeckten Gassen der ehemaligen Hauptstadt von Minas Gerais. Es wird gesagt, dass man von jedem Kirchplatz der Stadt drei weitere Kirchen sehen kann. Für mich ist dies eher eine Untertreibung… hinter jeder Ecke wartet ein weiterer Sakralbau im barocken Stil mit schönsten Verzierungen.

GAUMENFREUDEN

In historischen Restaurants und Cafés schmeckt die „Cozinha Mineira“- die Küche von Minas Gerais gilt in Brasilien als die schmackhafteste – sogar noch etwas besser. Auf grossen Holzöfen, den sogenannten „Fogão de lenha“ werden Eintopfgerichte nach alten Rezepten gegart. Ein gutes Essen wird immer mit einem „Cafezinho“ abgeschlossen. Die Anbaugebiete des „Café do Brasil“ sind ganz in der Nähe. Auch während der Rundreise wird eine solche „Fazenda“ besucht. Nach dem Passieren des Eingangstors führt eine kleine, von Palmen gesäumte Strasse auf den Hügel hinauf, wo sich stolz das historische Hauptgebäude erhebt. Auch hier fühle ich mich wieder in längst vergangene Zeiten versetzt. Von der Veranda aus geniesse ich den schönen Ausblick über die Kaffeeplantagen und das umliegende Bergland und schwelge in Erinnerungen. Obrigado Brasil.

 

MEHR SEHEN, ANDERS ERLEBEN – BRASILIEN

NZZ Reise im Sommer 2016 nach Brasilien mit Ulrich Achermann.
Fotoalbum der Rekognoszierungsreise.
Nächste Reisen mit Ulrich Achermann.