Erlebnisberichte

UNTERWEGS: Kenia – Out of Africa I

< Zurück zur Übersicht
äthiopien-reise-122

15. Februar 2013 von Privat: Fay Moning

LÖWENKAMPF IN KENIA

Unsere Kenia-Gruppe pirscht gerade durch die endlosen Weiten der Masai Mara und jeder Tag ist spektakulärer als der letzte …

Wir preschen durch die Savanne der Masai Mara, unser Fahrer-Guide ist aufgeregt. Wo er sonst sicher und bedacht jedes Strassenloch mit grösster Sorge umgeht, heisst es nun festhalten. Er entschuldigt sich: „I’m sorry, but there is a hunt going on“. Eine Löwenjagt ist im Gange. Wir nicken, klammern uns an den Sitzen fest und werden selbst etwas nervös. Werden wir rechtzeitig da sein?
Wo ist die Off-Stimme. Diese klangvolle, etwas belehrende Stimme, die man von Dokumentarfilmen her kennt? Eigentlich würde sie nun folgendes sagen: „Der Büffel liegt am Boden, drei Löwinnen vergraben ihre Zähne in seinem Fleisch. Er kämpft um seinen letzten Funken Leben, ein letztes Zappeln, ein letztes Aufbäumen und sein Kampf ist verloren.“ Aber dies ist die Wirklichkeit, wir sehen nicht fern in der guten Stube, wir sitzen in unserem 4×4 in der Masai Mara und werden Zeuge, wie die Löwinnen und ihre drei Jungen ihr Festmahl beginnen. Es ist nichts für zarte Gemüter, wir hören wie Fleisch reisst, die Mäuler der Raubtiere sind blutverschmiert. Doch man freut sich über den Erfolg der Tiere. Sie haben sich ihr Fressen hart erkämpft: Der Atem der Löwinnen geht auch nach zehn Minuten noch schwer und stossweise. Doch die Natur kennt kein Erbarmen. Am Horizont tauchen drei Löwenmännchen auf. Erst langsam, dann immer schneller bewegen sie sich auf ihre Artgenossen zu. Die Weibchen werden unruhig, schärfen den Blick und spannen ihre muskulösen Körper an. Alle Zeugen halten den Atem an. Dann erklingt das erste Brüllen, der Kampf beginnt. Sandfarbene Körper stürzen sich aufeinander, Krallen werden ausgefahren und Zähne graben sich ins Fell. Als sich ein Männchen auf eines der Jungen stürzt, geben die Löwinnen auf, sie müssen den Nachwuchs schützen. Wiederwillig ziehen sie davon, lassen ihre Beute zurück, während sich die Gewinner des Kampfes dem toten Büffel widmen.

Eben noch haben wir dem Tod über die Schulter geschaut, nun steht ein neues Leben auf wackeligen Beinen vor uns im Grass. Die ersten Schritte sind zittrig, im Ziggzagg-Schritt torkelt die neugeborene Thompson Gazelle zu seiner Mutter. Als Belohnung gibt es eine Stärkung aus Mamas Zitze. Zum ersten Mal, denn das Kleine ist nicht mehr als 15 Minuten alt. Sein Fell noch feucht und strubbelig von der Geburt.

Noch immer baff vom Erlebten, kehren wir in unser Camp zurück. Sind wir wirklich erst drei Tage in Kenia? Kaum zu glauben, so viel haben wir schon erlebt: Vier von den Big Five gesehen (das Nashorn fehlt uns noch), mitten im Bush in unserem luxurösen Camp den Sternenhimmel genossen und den Abenteuergeschichten der deutschen Managerin, Sabine gelauscht. Die Flüsse rund um das Camp haben wir auf unseren Gamedrives dutzende Male überquert, bei jedem Kratzen von Stein über Metall die Zähne zusammen gebissen und mit dem strapazierten Autoboden mitgelitten. Und uns am anderen Ufer über das gute Gelingen gefreut. Die Gastfreundlichkeit im Mara Bush Camp scheint keine Grenzen zu kennen. Jedem Zelt ist ein eigener Stuart zugeteilt, der sich um die Bedürfnisse der Gäste kümmert, zum Schutze vor den Nilpferden, die jede Nacht unser Camp auf der Suche nach Futter durchkämmen, stehen Massai bereit, das Servicepersonal weiss ganz genau, welcher Gast in welchem Zelt nächtigt und was er gerne trinkt. Auch individuelle Wünsche werden erhört: So ist dann auch eine kaputte Sonnenbrille pünktlich zum nächsten Gamedrive wieder repariert. Sabine scheint „ihre Männer“ (wie sie ihre 26 Angestellten nennt) gut geschult zu haben. Leider müssen wir uns morgen schon von diesem kleinen Flecken Paradies verabschieden. Doch wie sagt einer der Teilnehmer so schön: Ein Abschied ist auch immer ein Neubeginn.