Erlebnisberichte

BERICHT: Uganda, the Pearl of Africa – Teil I

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20. März 2017 von

SCHIMPANSEN-BEGEGNUNGEN

Als Afrika-Neuling hatte ich die Ehre und das Glück, einer unserer Erfolgsserien – unsere Tages-Anzeiger ANANEA Kleingruppenreise nach Uganda – zu begleiten. Die Reaktionen aus meinem Bekanntenkreis waren dann auch sehr unterschiedlich als ich von der nächsten bevorstehenden Tour erzählte. Uganda? Noch nie gehört.

Oder dann fiel als erstes der Name Idi Amin, der ugandische Diktator, welcher noch so in manchen Köpfen präsent ist. Und die Frage, ob es denn wirklich sicher sei, dorthin zu reisen. Das Echo fiel also eher bescheiden aus – ein Ansporn mehr für mich, mir ein eigenes Bild dieses in unseren Gegeneden eher unbekannten Fleckchens Afrika – und teilweise mit noch so manchem Vorurteil behafteten Land – zu machen!

Am 28. November 2016 ging es dann endlich los. Mit KLM via Amsterdam und einem kurzen Zwischenstopp in Kigali, Ruanda, erreichen wir am Abend Entebbe, die ehemalige Hauptstadt Ugandas auf einer Halbinsel am imposanten Viktoriasee gelegen. Mit einer herzlichen Begrüssung werden wir von Daniel C. Hänni, unserem Fachreferenten – Anthropologe und Gründer des Jane Goodall Instituts Schweiz – sowie unseren lokalen Fahrerguides empfangen und ins nahgelegene Hotel geführt.

Der Auftakt unserer 14-tägigen Rundreise durch Uganda bildet der Besuch der Ngamba Insel, wo 1998 ein Schutzgebiet für verwaiste Schimpansen errichtet wurde. Was für ein Erlebnis, unsere nächsten Verwandten aus der Nähe beobachten zu können und dabei den profunden Erzählungen unserer Experten zu lauschen. Nach einer einstündigen Rückfahrt mit dem Boot und der erneuten Überquerung des Äquators, setzen wir auf dem Festland unsere Reise in Richtung Norden fort.

SELTENE NASHÖRNER

Nach einer langen, interessanten Fahrt in unseren komfortablen 4×4 Jeeps – unter anderem durch Kampala, der Hauptstad des Landes – erreichen wir das Ziwa Rhino Sanctuary, das stolze Zuhause der einzigen wildlebenden Nashörner des Landes. Bevor wir uns aber auf die Suche nach den seltenen und vom Aussterben bedrohten Tieren machen, gönnen wir uns ein wunderbares Willkommensabendessen in unserer Lodge und stossen mit einem Waragi, dem lokalen Gin, auf die bevorstehenden Abenteuer an. Begleitet von einem erfahrenen Ranger begeben wir uns am nächsten Morgen auf Fusssafari und werden schon nach einer kurzen Zeit mit dem Anblick einer Nashorngruppe belohnt. Leise und mit viel Freude bewundern wir unsere erste Sichtung einer Spezies der berühmten afrikanischen „Big Five“.

Nicht weniger gespannt sind wir auf das nachmittägliche erste Schimpansen-Tracking im Budongo Wald, wo wir die Menschenaffen in freier Wildbahn erleben möchten. Und dank der fachkundigen Führung der lokalen Ranger sowie Daniel C. Hänni, welcher hier selber Monate mit Forschung und Populationszählungen verbracht hatte, werden wir fündig! Hoch oben in den Baumkronen sitzen sie und lassen sich beim Essen nicht stören. Daniel C. Hänni erzählt uns dabei mehr über die Tiere, z.B. über die Kommunikationssprache, Nahrungsgewohnheiten und den Gebrauch von Werkzeugen. In Gedanken über die eindrückliche Erstbegegnung in freier Wildbahn mit unseren nächsten Verwandten versunken, fahren wir mit unseren Safari-Jeeps weiter in den Murchinson Falls Nationalpark, unser Zuhause für die nächsten drei Nächte. Unsere Lodge, welche aufgrund der beschränkten Zimmeranzahl exklusiv nur uns cotraveller beherbergt, liegt direkt am Weissen Nil.

DAS LEBEN AM WEISSEN NIL

Nebst der schönen Aussicht und Ruhe der Unterkunft erleben wir während der nächsten zwei Tage Game Drives und Bootsafaris. Elefanten, Giraffen, Büffel, Warzenschweine, Uganda Kobs, Impalas, Defassa Waterbucks, Hippos, Krokodile und viele weitere Wildtiere kreuzen unseren Weg. Es gibt Momente, da weiss man gar nicht, wo man jetzt hinschauen soll – Ugandas Landschaft und Tierwelt fasziniert! Ganz zu schweigen von der wunderbaren Vogelwelt. Auf unserer Bootsfahrt zum Nil Delta im Albertsee posiert sogar der seltene und gefährdete Schuhschnabel – wir stellen die Motoren ab und beobachten den anmutigen, bis zu 1.2 m grossen Vogel in aller Ruhe.

Mit weit mehr Action und Getöse präsentiert sich uns der berühmte Murchinson-Wasserfall. Eine knapp einstündige und steile Wanderung – sozusagen die Generalprobe für das bevorstehende Gorilla-Tracking – bringt uns an den oberen Rand der Kaskade. Der Nil quetscht sich hier durch eine 7 m breite Spalte und stürzt anschliessend 43 m hinunter. Wir geniessen die atemberaubende Aussicht im warmen Licht der untergehenden Sonne.

Um den langen Transfer zum Kibale Forste National Park zu unterbrechen, ist im cotravel Reiseprogramm eine Zwischenübernachtung am Alberstsee vorgesehen. Eher selten entscheiden sich Touristen – hier an der einzigen Lodge mit Blick zur nahen Grenze der Demokratischen Republik Kongo – Rast zu machen und bevorzugen, die Strecke in einem Tag zurückzulegen. Ein Pech für alle, die diese Übernachtung aussen vor lassen. Bei unserem exklusiven Bush-Dinner mit herrlichem Blick über den Albertsee werden wir Zeugen eines magischen Treibens: Tausende von Fischerbooten finden sich allnächtlich auf dem Gewässer und vor uns breitet sich ein unendlich scheinendes Lichtermeer aus. Wir geniessen die einmalige Stimmung, welche nur schwer zu beschreiben ist und geben uns dem Zauber hin.

SCHIMPANSEN AUF TUCHFÜHLUNG

Auf dem Weg zu unserer nächsten Unterkunft mitten im Regenwald besuchen wir das Ausbildungszentrum des Jane Goodall Instituts Schweiz, welches von Daniel C. Hänni iniiziert wurde und unter anderem zum Schimpansen-Korridor-Projekt gehört (mehr dazu hier). Das zweite und letzte Schimpansen-Tracking ist wiederrum ein voller Erfolg. Wir gehen in den Kibale Forest National Park – mit einer Population von ca. 1‘450 Menschenaffen bietet dieser Park eine der höchsten Dichten an Schimpansen in ganz Ostafrika. Diesmal sehen wir die Tiere nicht nur auf den Baumkronen, sondern auch am Boden und sind mitten drin im Geschehen. Ohrenbetäubendes Gekreische durchdringt unsere Körper, Gebüsche bewegen sich und wir hören, wie einige Schimpansen mit ihren Fäusten an die Brettwurzeln der Baumriesen schlagen.

Und plötzlich sehen wir sie auch vor uns. Wie von unseren Rangern angeordnet, bleiben wir ganz ruhig stehen. Uns verschlägt es die Stimme, als die Schimpansen auf uns zugerannt kommen und mitten durch unsere Kleingruppe hindurch unseren Weg kreuzen, inklusive einiger Berührungen! Alles geht ganz schnell, die Schimpansen – einige sogar mit ihren Jungen am Bauch – klettern geschickt hinauf in die hohen Baumkronen und das Spektakel ist in wenigen Minuten vorüber. Was für ein Erlebnis!

Eine ca. 4.5-stündige Fahrt bringt uns weiter zum Queen Elisabeth National Park. Der Blick schweift dabei immer wieder in die Ferne zur wunderbaren Rwenzori-Gebirgskette, 50 km breit und mit bis zu 5190 m das dritthöchste Gebirge Afrikas. Langeweile kommt während den teilweise längeren Transfers so oder so nie auf: Man durchquert immer wieder farbige Dörfer und Kleinstädte, winkende Kinder stehen am Strassenrand und rufen „Muzungu, Muzungu“ – ein Bantu-Wort für „fremden Besucher“. Schwer beladene Lastwagen, Mofas mit dem frischen Fischfang bepackt und vieles mehr sehen wir auf unserem Weg.

EIN RIESEN-WALDSCHWEIN ENTDECKT

In einem der ältesten Nationalpärke Ugandas angekommen, beziehen wir unsere Zimmer in der im Kolonialstil gebauten Lodge auf einer Halbinsel gelegen. Die Aussicht von der Terrasse könnte nicht schöner sein. Während wir uns kulinarisch verwöhnen lassen beim Mittagstisch, schweift der Blick immer wieder über die weite Ebene der Savanne. Oder zum direkt vor uns liegenden Kazinga Kanal, welcher den Lake George im Nordosten und der Lake Edward im Südwesten miteinander verbindet. Wo sich Elefanten und Büffel abkühlen, sich hunderte von Nashörnern tummeln und x Vogelarten beobachtet werden können. Auf einer Bootstour erkunden wir den 32 km langen Kanal. Ein Highlight (nebst vielen) und absoluter Glücksfall war die Sichtung des Riesen-Waldschweins. Durch seine nachtaktive Lebensweise ist diese grösste afrikanische Schweineart, mit einem Körpergewicht von bis zu 207 kg (!), sehr selten gesehen.

Die zwei Tage vergehen wie im Flug und sind bereichert mit wunderbaren Tierbeobachtungen. So bekommen wir sogar einen (im Dickicht zwar schwer erkennbaren) Leoparden und die für im südlichen Sektor des Queens Elisabeth National Park berühmten kletternden Löwen zu Gesicht. Letztere haben wir nur für uns, weit und breit sehen wir keine anderen Touristen. Und so geniessen wir die absolute Ruhe und sind verzaubert von den zwei in den Bäumen liegenden jugendlichen Löwen.

 

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