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4. April 2018

DER EHEMALIGE RADIO SRF OSTASIEN-KORRESPONDENT STELLT SICH VOR

Eines war für den jungen Urs Morf immer klar: Journalist, genau das wollte und würde er ganz sicher nie werden. Nicht obwohl, sondern gerade weil ihm dieser Beruf als Sohn einer einst ziemlich prominenten Journalistin und später noch viel prominenteren Politikerin (und zudem als Götti-Bub des legendären Roman Brodman) eigentlich wie in die Wiege gelegt worden war.

Denn: In den Korridoren und Redaktionsstuben jedes Schweizer Mediums würde er hinter seinem Rücken immer wieder Stimmen hören müssen, die behaupteten: "Den Posten hat der doch sowieso nur wegen seines Mamis." Eine unerträgliche Vorstellung.

An der Abneigung gegen den Journalismus-Beruf änderte sich auch nichts, als Morf zur Uni ging. Dort studierte er Geschichte und Sinologie und gab damit einer seiner ältesten Faszinationen nach, derjenigen für das Reich der Mitte, ausgelöst Jahre früher durch die Lektüre einer Jugendfassung von Marco Polos Reiseberichten.

PETER ACHTEN

Vorderhand aber bestärkte das Sinologie-Studium Morfs Journalismus-Abneigung sogar noch. Denn als er 1986 für ein zweijähriges Stipendiaten-Studium nach China reiste, lernte er dort Peter „Pedro“ Achten kennen. Dieser war fast zeitgleich mit Morf in Beijing eingetroffen, um sich dort für das Schweizer Publikum vom vorherigen „Mister Tagesschau“ zum „Mister China“ zu wandeln.

Das Beobachten von Peter Achtens Arbeit, mit dem Dauerstress und den durch die Zeitverschiebung verursachten Überstunden Tag für Tag, bestärkte Morfs Überzeugung noch: Nicht nur Journalist in einer Schweizer Redaktion, auch eine Stelle als Auslandkorrespondent kam für ihn überhaupt nicht in Frage. Vorher würde er zeitgenössische chinesische Literatur übersetzen oder eine Akademikerkarriere einschlagen, um trotzdem weiterhin Zeitzeuge dieses China im Aufbruch bleiben zu können.

IMMER WIEDER CHINA

Doch das „Schicksal“ bestimmt die Menschen, nicht umgekehrt. Nach den zwei Jahren in China zog der Werkstudent Morf in Zürich zu seiner kranken und altersschwachen Grossmutter. Das sprach sich im Treppenhaus des Mietshauses herum.

Und so kam es, dass kurz danach ein Redaktor der linken „Die WochenZeitung“, die im Erdgeschoss eingemietet war, an Grossmutters Tür klingelte und fragte, ob Morf denn dazu bereit wäre, nach China zu reisen und dort eine Reportage über das „Joint Venture“ der Schweizer Aufzugsfirma Schindler zu recherchieren. Morf war. Hauptsache er konnte so schnell wie möglich ein weiteres Mal nach China reisen – und dabei erst noch Geld verdienen.

Auf die WoZ-Reportage über Schindler folgten Aufträge anderer Medien. Zwei Jahre später schrieb Morf gerade das Schlusskapitel seiner Lizentiatsarbeit über Chinas Revolution von 1911, als das Telefon klingelte. Diesmal war es die NZZ, die fragte, ob er interessiert daran wäre, für sie als China-Korrespondent zu arbeiten. Morf war. Nicht zuletzt, weil das auch mit seinem Selbstwertgefühl vereinbar war – die NZZ war sicher DAS Blatt in der Schweiz, auf dessen Personalentscheide sein prominentes linkes Mami keinerlei Einfluss ausüben konnte.

NEUE WEGE

Mittlerweile hat Morf insgesamt über 28 Jahre in China und Ostasien verbracht. 24 davon als Journalist. Nach den NZZ-Jahren auch noch als Korrespondent für das Schweizer Radio SRF. Bei Chinas Machthabern hat er sich dabei nie angebiedert, ist gleichzeitig aber auch nicht zu einem notorischen „China-Hasser“ geworden. Am liebsten sähe er sich selbst als eine Art „Brückenbauer“ zwischen China und dem Schweizer Publikum.

Seit zwei Jahren ist Morf pensioniert – und freut sich jetzt unbändig darauf, endlich wieder wie in jungen Jahren “unbeschwert“ in China und Ostasien herumreisen zu dürfen. Ohne jeweils abends im Hotelzimmer noch die tagsüber gesammelten Eindrücke oder Mikrofon-Töne zu Berichten für ein Schweizer Medium verarbeiten zu müssen.

 

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