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16. März 2018 · von Verena Biedermann

EINE INSEL – ZWEI VÖLKER

Eine Reise durch griechisch und türkisch Zypern verspricht kulturell, wirtschaftlich, touristisch und auch politisch vielfältige Erlebnisse und dies alles praktisch vor unserer Haustüre.

Kurz nach Weihnachten starten wir unsere Reise via Wien nach Larnaka. Alle sind gespannt, was uns auf der drittgrössten und seit 1974 de facto geteilten Mittelmeerinsel erwartet. Um es vorwegzunehmen, die Begeisterung ist und bleibt nachhaltig.

TROODOS-GEBIRGE

Bereits am Tag nach der Ankunft geht es in Richtung des vulkanischen und sehr waldreichen Troodos-Gebirges mit seinem Wahrzeichen: Olympos, dem höchsten Berg Zyperns mit 1952 m ü. M. Einige kleine Schneereste am Strassenrand begrüssen uns – das Skifahren ist jedoch für uns Schweizer kein Thema.

Umso mehr begeistern uns die kleinen byzantinischen Kirchen mit den typischen Scheunendächern in den Bergdörfern Omodos und Gallata. Ebenso lohnenswert ist ein Spaziergang – natürlich mit Kaffeehalt – im malerischen Kakopetria. In den kleinen Gässchen finden wir verschiedenste eingemachte Spezialitäten (von süss bis sauer), Honig, Lokales, frisch geerntetes Gemüse und natürlich Mandarinen und Orangen aus den Hinterhofgärtchen. Leider verdeckten Wolken den legendären Olympos, aber dies liess uns die Stimmung nicht trüben.

Kulinarisch verwöhnt wurden wir bei unserem ersten Mezze. Schnell lernten wir, nur ganz wenig von allen Spezialitäten zu probieren, da die verschiedenen so genannten Häppchen sehr reichhaltig und in grosszügigen Mengen aufgetragen wurden. Der Besuch im Haus eines jungen Winzerehepaares in ihrem modernen Weinkeller ist speziell erwähnenswert, da wir den Wein für das geplante Nachtessen bei Michael Wrase und seiner Partnerin aussuchen durften.

SÜDWESTKÜSTE & PAPHOS

Bereits nach einer rund 40-minütigen Busfahrt konnten wir den Felsen der Aphrodite, die Schaumgeborene, sowie die spektakuläre teils felsige, teils sandige Küste auf uns einwirken lassen. Die Königsgräber von Kato Paphos laden für einen längeren Aufenthalt im Freien ein, der Hafen ist zum Verweilen und die Ruinen der römischen Villen mit ihren zahlreichen und gut erhaltenen oder restaurierten Mosaiken lässt uns in der Geschichte um Jahrhunderte zurückblicken.

Auf der Fahrt treffen wir auf die kalziumreichen Johannisbrotbäume. Bis in die 60er-Jahre waren die Schoten für die Zyprioten ein wichtiges Exportprodukt, das sowohl als Rohstoff für die Medizin als auch zur Herstellung von Melasse oder Honigsirup sowie als Tierfutter verwendet wurde. Die Kerne der Schoten galten als «schwarzes Gold», da jeder Kern stets das gleiche Gewicht hat und zum genauen Abwägen teurer Rohstoffe diente. Heute werden die Kerne der Johannisbrotschoten meist zu Mehl verarbeitet und sind ein wichtiges natürliches vegetarisches/veganes Verdickungsmittel geworden.

Paphos selbst wurde zusammen mit Aarhus (DK) als Kulturhauptstadt 2017 gewählt. Daher fanden während des ganzen Jahres verschiedene Anlässe in der ganzen Stadt statt und die dazugehörende Bautätigkeit war gross – Baustellen trafen wir aber nach wie vor an. Die Fünfkuppelkirche (Agia Paraskevi) in Geroskipou ist, nicht nur wegen ihrer Grösse, sehr eindrücklich und lädt – vor der Rückfahrt nach Limassol – zu einem besinnlich historischen Halt ein.

Nach einem Abendspaziergang im noch weihnächtlich-winterlich beleuchteten Limassol genossen wir einmal mehr ein Mezze in einer traditionellen Taverne in der Altstadt. Dabei fehlte die traditionelle Live-Musik natürlich nicht. Wir verbrachten einen schwungvollen Abend zusammen mit vielen zypriotischen Gästen.

LIMASSOL UND UMGEBUNG

Nach einem gemütlichen Spaziergang durch das Zentrum von Limassol ging unsere Busfahrt weiter nach Kolossi, wo wir die Johanniterburg besuchten und einen schönen Rundblick geniessen durften. Seit der Entlassung Zyperns in die Unabhängigkeit 1960 beanspruchen die Briten nach wie vor rund 100 km2 der Inselfläche von 9'251 km2 als Exklave – britisches Territorium mit eigener Regierung, Polizei, Militär und Justiz. Bei der Durchfahrt der Akrotiri-Exklave, auch Happy Valley genannt, beeindruckte uns der nach wie vor gut sichtbare britische Baustil.

In der Arena der griechisch-römischen Ausgrabungsstätte Kourion hat uns das akribisch angelegte Bädersystem im Haus des Eustolios in Staunen versetzt. Anschliessend durften wir im ehrwürdigen Theater das spontane Openair Live-Konzert mit Michael Wrase und einigen Gästen geniessen.

Am späteren Nachmittag hatten wir einen herzlichen Empfang bei unserem Referenten und seiner Partnerin zu Hause. Es erwartete uns ein tolles Buffet mit vietnamesischen Spezialitäten, zypriotischen Weinen und Spirituosen sowie einer Weihnachtsgeschichte und einem Klavierkonzert von Michael. Dieser Abend wird uns allen wohl immer in bester Erinnerung bleiben – einfach unvergesslich im griechischen Teil der Insel.

NIKOSIA UND NORDZYPERN

Ein stürmisch regnerischer Tag empfängt uns. Genau das richtige Wetter für die doch längere Busfahrt via die geteilte Stadt Nikosia in den türkisch-zypriotischen Teil der Insel. Nebst der sehr interessanten Besichtigung im grössten archäologischen Museum der Insel genossen wir in Nikosia das rege handwerklich-kulturelle Leben in der Nähe des Famagusta-Tores sowie die modernen Geschäfte in der Ledra-Strasse, die zu einem Fussgänger-Checkpoint führte. Nach wie vor sind entlang der Greenline die verlassenen Häuser mit den Einschüssen aus den Bombardements sichtbar.

Etwas ungewohnt war der Grenzübertritt in den türkisch-zypriotischen Teil mit der strengen, jedoch problemlos verlaufenen Kontrolle. Die grosse Felsbemalung mit dem Zitat «Ich bin stolz, ein Türke zu sein» zeigte uns erstmals hautnah auf, wie doch die beiden Völker nach wie vor nicht als Einheit auftreten wollen.

Nach der rund einstündigen Fahrt durch das Pentadaktylos-Gebirge erreichten wir die Hafenstadt Kyrenia mit rund 33'000 Einwohnern. Der Blick zum türkischen Festland verzauberte uns. Noch mehr begeistert waren wir von unserem familiengeführten Vierstern-Unique-Hotel in Bellapais. Das Dörfchen liegt am Hang, inmitten von Zitrusfrucht-Hainen und mit Blick auf Kyrenia und seinem Hafen.

Den Silvesterabend verbrachten wir in gemütlichem Ambiente, toller Musik, vielen guten Gesprächen und beim Interpretieren unserer Bleigiess-Figuren. In ungezwungener, fröhlicher Atmosphäre begrüssten wir 2018mit einem Cüpli.

 

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