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23. Juli 2018 · von Tony Ruppen

BELLA ITALIA NEU ENTDECKT

Dass Italien seine Reize hat, muss nicht näher betont werden. Eine reichhaltige Kultur, malerische Landschaften, eine stolze, aber sehr gastfreundliche Bevölkerung, die den Neuankömmling auch mit wenig lokalen Sprachkenntnissen herzlich willkommen heisst, sind beste Voraussetzungen für das Geniessen der Italianità im Urlaub. Dazu gesellen sich die Cucina regionale und der Vino della casa, welche die Ferientage zum sinnlichen Erlebnis werden lassen!

Nach nur einer Stunde Flugzeit landen wir in Florenz und fahren direkt weiter nach Orvieto, unserem ersten Etappenort in Umbrien: Die Entdeckungsreise beginnt! Begleitet werden wir von Christiane Büld Campetti, einer Radiojournalistin, die bereits seit Jahrzehnten in dieser Gegend lebt. In zahlreichen Sendungen, Reiseberichten und Büchern hat sie ihre farbigen Eindrücke festgehalten; Begeisterung, aber auch kritische Momentaufnahmen. Für uns alle eine Bereicherung!

ORVIETO – DOMINIEREND AUF TUFFSTEIN GEBAUT

Schon von weitem beherrscht Orvieto das Blickfeld; eine der ehemaligen Hauptstädte des Etruskischen Reiches im ersten Jahrtausend v. Chr. und kurzzeitig auch Papstsitz im Mittelalter. Zentrum des äusserst malerischen Stadtbildes bildet die Piazza del Duomo mit einem der wichtigsten Bauwerke der italienischen Gotik. Impressionante!

Nicht minder beeindruckend dann unser Abendessen unterirdisch in der Pasticceria Adriano. Zufälligerweise vor rund 40 Jahren entdeckt, hat die Familie Adriano ein etruskisches Tunnelsystem von 400 Metern ausheben lassen. Der Apéro tief unter der Erde, mit Weinen aus dem eigenen Rebberg, stimmen bestens auf das Essen ein!

unterirdische-pasticceria

KULINARISCHE HÖHEPUNKTE IN NORCIA

Norcia, an der Grenze zur Region Marken und am Fusse der Sibillynischen Berge im Apennin, lädt zu Tisch. Kaum jemand weiss, dass der in ganz Italien geläufige Name Norcineria (Feinkostläden) aus dieser Gegend stammt. Kernprodukte bilden durch Wein, Salz und Pfeffer haltbar gemachte Schinken und Wurstwaren. Produzent ist das in dieser stark bewaldeten Gegend hausende Wildschwein. Buon appetito!

Die weit verbreiteten Wälder aus Steineichen und Kastanien sind nicht nur für Wildschweine ein Paradies, sondern erweisen sich auch als optimales Gelände für das Gedeihen der Tartuffi. Zusammen mit Nicolau und seinen beiden Trüffel-Hunden sind wir unterwegs und werden belohnt; am offenen Feuer in der Casa da Nicolau geniessen wir die lokalen Erzeugnisse und werden verwöhnt durch die äusserst herzlichen Gastgeber. Mille grazie!

Der Ehrgeiz hat uns gepackt; wir wollen selbst in der Küche unser Können unter Beweis stellen. Unter Anleitung von Küchenchef Valentino Palmisano, ehemals Verantwortlicher im Ritz-Carlton in Kyoto, gehen wir ans Werk. Der Palazzo Seneca und das dazugehörende Michelin-Stern dekorierte Restaurant bilden den geeigneten Rahmen dazu. Harte Arbeit (und starke Unterstützung durch Valentino) führen zum Genuss eines Lamm-Gigots gefüllt mit schwarzem Trüffel. Was kann das Leben noch mehr bieten!?

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PERUGIA – HISTORISCHE UND ARCHITEKTONISCHE SCHÖNHEITEN

Ein Juwel unter den etruskischen Städten ist die Hauptstadt Umbriens. Hoch auf einem Hügel thronend, laden die verwinkelten Gassen zum Erkunden ein; Italien wie es leibt und lebt. Ausdruck davon unter anderem auch das alljährliche Stadtfest im Juni, das mit Musik und farbenprächtigen Kostümen an die Befreiung im Mittelalter erinnert. Unsere Unterkunft: das äusserst reizvoll restaurierte Castello di Monterone, mit malerischem Blick auf Perugia selbst und das Tiber-Tal.

Das nach Rom und Padua meist besuchte religiöse Zentrum Italiens liegt in Assisi. Von hier aus gab Francesco seinem nach ihm benannten Orden die Richtung vor. Nicht nur sakrale Bauten prägen  aber den Ort; das terrassenförmig angelegte Stadtbild, Ausgrabungen aus vorrömischer Zeit haben ebenfalls mitgetragen zur Aufnahme als UNESCO-Weltkulturerbe.

Aktuelle Architektur finden wir in der Nähe von Bevagna, beim Besuch des Weinguts Castelbuono. In lieblicher Landschaft, leicht erhöht, wurde hier durch den Gegenwartskünstler Arnaldo Pomodoro ein Gebäude geschaffen, das seinesgleichen sucht. Dem Rückenpanzer einer Schildkröte gleich entstand „…eine Kellerei von einem Künstler für Weine von Künstlern“. So die Werbebotschaft, der wir spätestens nach dem Kredenzen der angebotenen Weine vorbehaltlos zustimmen.

ZUR FAGIOLINA DEL TRASIMENO

Entlang des Lago Trasimeno, dem viertgrössten See Italiens, gelangen wir zur Azienda Agraria Orsini, die sich ganz der alternativen Landwirtschaft („Slow Food“) zugewendet hat. Angebaut werden nur in der Gegend verankerte Produkte, die Aufzucht ist selbstredend äusserst naturschonend. Bestes Beispiel dafür sind die Fagioline del Trasimeno (Bohnenerbsen), deren Herstellung uns Flavio Orsini mit viel Herzblut schildert und herrlich munden. Auch das ist Italien – Veramente buono!

Das hüglige und einladende Chianti-Gebiet ist wie geschaffen für ein Abschiedsessen. Im Castello Vicchiomaggio geniessen wir unter Platanen und mit malerischem Ausblick in die Reben ein letztes Mal die Cucina Italiana. Die dazu servierten Weine aus der Gegend, ergänzt mit fachmännischem Kommentar, erleichtern den Abschied.

Eine ausgesprochen tolle Reise – Italianita pur – Ci ritorniamo!

 

MEHR SEHEN, ANDERS ERLEBEN – UMBRIEN

Album zur Reise.
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