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28. Oktober 2017 · von Susann Bovay Flisch

REISE GEGEN DEN STROM

Nach kurzer Eingewöhnungszeit an die hiesigen tropischen Verhältnisse (einmal nass, immer nass) und die dazugehörigen Klimaanlagen (nicht unbedingt kompatibel mit „nass“) beginnt unsere Reise schon mit dem ersten Highlight, den Tempelanlagen von Angkor.

Die detaillierten Fresken mit dem Schäumen des Milchmeeres, begleitet von Tausenden Apsara-Figuren, erzeugen ehrfürchtiges Staunen. Pünktlich nach dem letzten Tempel im geheimnisvollen Angkor Thom werden wir zurück in die Realität geholt. Es giesst aus Kübeln und in Kürze sind wir frisch gewaschen. Der sintflutartige Regen stört die Tuk Tuk-Fahrer aber nicht im Geringsten: Helm auf, Pelerine an, los geht’s zu einer unvergesslichen Fahrt!

TONLE SAP

Ein Bootsausflug auf dem Tonle Sap, dem grössten Frischwassersee in Südostasien, bringt uns den ersten, indirekten Berührungspunkt mit dem Mekong – noch wird der See vom Strom zurückgedrängt, überschwemmt dadurch die Ufer und wässert die Reisfelder. Irgendwann nach dem Ende der Regenzeit wechselt die Fliessrichtung wieder, was mit einem grossen Fest gefeiert wird. Wir feiern schon mal im Voraus und geniessen das gute asiatische Essen. Das Naturphänomen um den Tonle Sap existiert seit Jahrhunderten und ist die Lebensgrundlage der Anwohner; mit dem Bau der unzähligen Barrieren flussaufwärts ist es jedoch eine Frage der Zeit, bis sich hier Grundlegendes ändern wird und sich die Bewohner auf neue Gegebenheiten einstellen werden müssen.

Ein Besuch im Phare Circus sei jedem Reisenden nach Siem Reap ans Herz gelegt, denn die Darbietung der kambodschanischen Geschichte durch virtuoseste Artisten ist atemberaubend.

LAOS

Unserem Aufenthalt in Kambodscha folgt die nächste Etappe in Südlaos, diesmal schon mit direkter Berührung des Mekong. Formidabel ist unsere Lodge auf einer veritablen Insel, die nur mit einem einfachen Ferry-Boat erreichbar ist. Haben Sie auch schon festgestellt, dass ein Ferientag oft kürzer ist als ein Tag zu Hause? Auf unserem Ausflug zu den Khone Papheng-Wasserfällen an der Grenze zu Kambodscha gibt es so viel zu sehen, dass wir erst bei Dunkelheit wieder zurück an der Hotelfähre sind und eine taschenlampenbeleuchtete, sehr ruhige Überfahrt auf dem grossen stillen Fluss „geniessen“ dürfen.

Der Tag auf dem Bolaven-Plateau ist leider buchstäblich ins Wasser gefallen: statt Besuch der Kaffeeplantagen wurden wir im grössten Gewitter mittels Sonnenschirmen zum trockenen Bus gebracht.

Mit Lao Airlines fliegen wir – with compliments of the airline – nicht wie vorgesehen direkt nach Luang Prabang, sondern morgens erst nach Vientiane und von dort am Nachmittag nach Nordlaos in die ehemalige Kapitale, dafür mit einem Airbus A319 in grad einmal 35 Minuten!

MEKONG

In Luang Prabang wartet unser Fachreferent, Peter Achten. Und unser Schiff, die Mekong Sun. Sieben Mal Schlafen in den gemütlichen Kabinen mit Blick auf den braunen Mekong, der vor den Fenstern ganz nahe vorbeirauscht. Am Ziel in Chiang Saen werden wir ca. 460 km zurückgelegt haben. Inzwischen fordern auch die Klimaanlagen ihren Tribut und der Reihe nach kuriert und erholt sich einer nach dem andern von seiner Erkältung.

Die nächste Woche verläuft – nein, nicht im Fluss, sondern gegen den Strom. Der Mekong hat für die Jahreszeit ungewöhnlich viel Wasser und es rauschen Unmengen Mekongbraun südwärts, was die Navigation erschwert und den beiden Schiffskapitänen grösste Konzentration abverlangt.  Sobald die Sonne untergeht, wird die Mekong Sun am Ufer für die Nacht festgemacht.

Die Hälfte des Mekong fliesst durch China, welches den Strom mit Kraftwerken und Staumauern beeinflusst. Deshalb kann sich der Wasserstand, bedingt durch entsprechende Aktionen weiter nördlich, innert kürzester Zeit und ohne Ankündigung massiv ändern. So musste eines Nachts um 03.30 das Schiff ausgegraben, die Motoren angeworfen und weiter vom Ufer weg neu verankert werden, weil der Wasserstand plötzlich stark gesunken war. So etwas bemerkt man dann, wenn man auf einmal sehr schräg im Bett liegt...

Das Leben auf der Mekong Sun war wunderbar und die ganze Crew verdient ein riesiges Kompliment. Unzählige kleine Aufmerksamkeiten – stellvertretend seien die gefrorenen (!) Erfrischungstücher nach der Rückkehr aufs Schiff erwähnt –, frisch zubereitete und immer sehr schmackhafte Mahlzeiten (nein, die Küche versteht unseren Wunsch nach kleineren Portionen eigentlich nicht...), die Bar und Ben, der allwissende Kreuzfahrtdirektor, machten diese Fahrt zu einem einzigen Genuss. Die abendlichen Vorträge und Erläuterungen von Peter Achten klärten unseren oft zwiespältigen ersten Eindruck, den wir auf den Ausflügen in die laotischen Dörfer erhielten. Dem armen Laos wird von überall Infrastruktur spendiert, verbunden mit der entsprechenden Gegenleistung (will heissen: Ausbeutung der Rohstoffe).

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    Angkor Wat, Kambodscha

UNBESCHREIBLICHER ABEND

Alle sind wohl mit mir einverstanden, wenn ich das „Barbeque“ als unbedingtes Highlight bezeichne. Die Schwierigkeit bei dieser seit Tagen angekündigten Aktion war, eine Sandbank in Kombination mit einem Dorf zu finden. Beim aktuellen Wasserstand sah es lange nach entweder „Dorf“ oder „Sandbank“ aus, jedoch nicht in der erhofften Kombination. Die Kapitäne fanden dann die perfekte Lösung. Trotzdem wurde der Abend mit etwas gemischten Gefühlen erwartet.

Der Spaziergang durchs Dorf führt uns die riesigen Differenzen zu unseren Vorstellungen vom täglichen Leben vor Augen, die Verständigung mit den Einwohnern hapert. Doch die Crew hat wieder gezaubert und die Sandbank in einen Festplatz für alle verwandelt. Sobald die Sterne funkeln, geniessen wir alle zusammen ein unvergessliches Grillfest, mit dem cotravel Geburtstagskuchen zum Dessert. Die vielen Kinder machen enthusiastisch mit beim gemeinsamen „Burebüebli“-Singen, bedanken sich sehr höflich für die mitgebrachten Schulhefte und mit den Erwachsenen lernen wir „Bier trinken auf laotisch“. Sehr eindrücklich, unvergesslich. Als zum Abschluss noch Laternen in den Nachthimmel steigen, ist das Gefühl, gemeinsam einen perfekten Abend erlebt zu haben, überwältigend.

THAILAND

Mit der Ankunft in Chian Saen sind wir nun in Thailand, der letzten Etappe unserer Reise. Viel zu schnell müssen wir uns von der laotischen Gelassenheit verabschieden und werden sofort von der thailändischen Hektik vereinnahmt. Bye-bye Mekong Sun – und auch unser Referent verabschiedet sich.  Ein Foto noch vom Goldenen Dreieck, ein letzter Blick auf den Mekong und weiter geht die Reise durch die Berge nach Chiang Rai. Erwähnenswert das Intermezzo mit den Pickups durch die kurvenreichen und steilen Bergstrassen. Schnell kapiert man, wozu die vielen Haltegriffe im Wageninnern dienen... Immerhin fahren wir wieder auf guten Strassen.

In Chiang Mai erwartet uns ein letzter Höhepunkt, im Nachhinein gesehen waren es sogar zwei. Beim Besuch der Tong Bai-Elefantenstiftung lernen wir die grauen Riesen aus nächster Nähe kennen. Die Zeit im Camp ist viel zu kurz, und als Erinnerung an den gemeinsamen Badespass mit den Elefanten im Flussbett verbeisst sich auch noch ein Blutegel im Menschenfuss.

Der abschliessende „Tag bei einer Thai Familie“ entpuppte sich als einmaliges Erlebnis: Spätestens beim Kauen des traditionellen Willkommens-Blatts mit Betelnuss und Gewürzen war man gespannt auf die weiteren Entwicklungen dieses Tages. Beim Zubereiten der traditionellen Thai-Gerichte in der Freiluft-Küche unter intensiver Mithilfe aller Familienmitglieder waren erstaunlich viele männliche Reiseteilnehmer aktiv, mit der Begründung, dass sie so etwas zu Hause nie machen würden…

Fazit dieser Reise: tolle Gruppe, vielseitiges Programm. Viel erlebt mit herzlichen Menschen. Unvergessliche Erinnerungen! Grosses Dankeschön allen Beteiligten.

 

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