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15. August 2018 · von Jonas Gobeli, Mike Grossniklaus

KONTIKI UND COTRAVEL IM EWIGEN EIS

Im Rekordsommer gibt’s nur eins: Ab nach Spitzbergen! Jonas Gobeli (Kontiki) und Mike Grossniklaus (cotravel) schrieben im eisigen Norden Tage- bzw. Logbuch und hielten fotografisch die Erlebnisse fest.

Winterkleider packen bei 30 Grad? Für unsere Gäste kein Problem. Schliesslich freuten wir uns nach der tagelangen Hitzewelle in der Schweiz auf die kühlen Temperaturen im hohen Norden. Endlich war es heute so weit: unsere Reise ins Reich der Eisbären begann!

ABKÜHLUNG IM HOHEN NORDEN

Der Kontiki-Direktflug brachte uns auf komfortablem Weg direkt nach Spitzbergen. Die Tatsache, dass dies der erste Edelweiss Air-Flug nach Longyearbyen war, machte unsere Anreise noch einen Tick spezieller – so durften wir uns alle als Pioniere fühlen.

Bei einer kurzen „Stadtrundfahrt“ erhielten wir einen ersten Eindruck vom Verwaltungszentrum der Inselgruppe. Gegen Abend folgte der Höhepunkt des Tages: die Einschiffung auf die MV Sea Spirit – unser Zuhause für die nächsten zehn Tage. Nachdem wir von der Schiffs-Crew und auch vom Expeditions-Team herzlich empfangen wurden, hiess es „Leinen los“.

GLETSCHER, RENTIERE UND NEBEL

Das oberste Gebot bei Expeditionsreisen: Flexibilität! Aufgrund der Wetter- und Eissituation – aktuell ist das Packeis viel weiter nördlich als Spitzbergen – haben wir entschieden, unsere geplante Route zu ändern und die Inselgruppe im Gegenuhrzeigersinn zu umrunden. So sind wir in der Nacht in südlicher Richtung bis zum Bellsund gefahren.

Ein erster Blick aus dem Kabinenfenster verhiess heute Morgen nichts Gutes… Dichter Nebel! So konnte die geplante Anlandung beim Camp Millar nicht stattfinden. Stattdessen fuhren wir weiter zum Recherchefjord und plötzlich verzog sich der Nebel. Nach einer kurzen Fahrt mit den Zodiacs hatten wir zum ersten Mal wieder festen Boden unter den Füssen. Einige Rentiere bildeten das Empfangskomitee und im Hintergrund türmte sich der mächtige Recherche-Gletscher auf. Ein fantastisches Panorama!

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Nach dem Mittagessen folgte die zweite Anlandung bei der früheren Walfangstation mit dem klingenden Namen „Bamsebu“. Die Überreste eines Eisbären, Skelette von Beluga-Walen und natürlich die Hütte der Walfänger zeugen von vergangen Zeiten.

DER PERFEKTE SPITZBERGEN-TAG

Vorhang auf für die Sonne! Der heutige Tag begann mit schönstem Wetter – perfekte Bedingungen für eine Zodiac-Fahrt beim Samarin-Gletscher. Überwältigt und mit einer grossen Portion Ehrfurcht staunten wir über die Dimensionen des Gletschers. Nachdem der Bootsmotor ausgeschaltet wurde, erfasste uns die absolute Ruhe der Natur. Die Stille wurde nur von Zeit zu Zeit abrupt durch das mächtige Donnern des kalbenden Gletschers unterbrochen.

Dank dem schönen Wetter bot sich die Möglichkeit, das Mittagessen „open air“ an Deck zu geniessen. So waren wir anschliessend gestärkt für eine kurze Wanderung in der Burgerbukta. Von einer Anhöhe bot sich uns eine fantastische Aussicht auf die spitzen Gipfel der umliegenden Berge. Nun wissen wir alle, woher der Name „Spitzbergen“ kommt…

Nach dem Abendessen erfolgte die ersehnte Durchsage: “Eisbärensichtung – macht euch bereit für eine abendliche Zodiac-Ausfahrt!“ Die Spannung an Bord war greifbar und es dauerte nicht lange, bis wir alle in den Schlauchbooten sassen und unterwegs zu einer nahen Bucht waren.

Langsam und immer leiser näherten wir uns einem gelben „Ding“, das hinter einem Felsen am Strand lag. Der erste Eisbär auf unserer Reise! Der Eisbär hatte – wie wir auch – soeben das Abendessen beendet und lag nun völlig erledigt neben den Überresten einer Robbe. Wir waren überwältigt!

VIEL LOS AM VOGELFELSEN

Die erste Eisbärensichtung wurde am gestrigen Tag noch gebührend in der Bar gefeiert. Die Atmosphäre war grossartig. Entsprechend nahmen wir uns heute etwas mehr Zeit für ein Langschläfer-Frühstück, bevor wir gegen Mittag den Freemansundet erreichten. Dort erwarteten uns schon die nächsten Eisbären – allerdings aus der Ferne, so dass wir sie „Pixel-Bären“ nannten…

Am Ende des Freemansundet erreichten wir das Kap Waldburg. Da wir in der Zwischenzeit schon ein wenig Zodiac-Erfahrung sammeln konnten, war die etwas raue Überfahrt zum Strand für uns kein Problem. Schon von weitem hörten wir das emsige Treiben am nahen Vogelfelsen. Unzählige Dreizehenmöwen nesteten dort und machten sich immer wieder auf, Nahrung zu finden.

Beeindruckt verfolgten wir das Spektakel der startenden und landenden Vögel. Erst als ein Polarfuchs direkt an uns vorbeihuschte, richteten wir unseren Blick wieder auf den Boden. Das lohnte sich, da wir so Zeugen eines erfolgreichen Jagdversuchs des Fuchses wurden.

EISBÄREN-SHOW ZUM GEBURTSTAG DER SCHWEIZ

Auch in der Ferne soll der 1. August gefeiert werden und so wurden wir am Morgen in allen vier Landessprachen geweckt. Später hiess es: Eisbären in Sicht! Zu diesem Zeitpunkt konnten wir noch nicht erahnen, was uns bei der Insel Storøya erwarten würde…

Die Hauptprotagonisten waren eine Eisbärenmutter mit ihren beiden Jungtieren sowie ein männlicher Eisbär, der bei einem Felsen schlief. Die Mutter und die Kleinen spazierten zu dritt dem Strand entlang in Richtung des schlafenden Artgenossen. Plötzlich richtete sich dieser auf und nahm die Verfolgung der jungen Eisbären auf. Die Mutter verteidigte sich und ihren Nachwuchs so gut es ging. Gebannt verfolgten wir die Jagd, die sich am Strand direkt vor unseren Augen abspielte. Dass wir zwischendurch einige Walrosse passierten, verkam dabei ein wenig zur Nebensache.

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Nach mehr als zwei Stunden kehrten wir mit unzähligen Fotos (der inoffizielle Rekord lag bei 1400 Aufnahmen in 2 Stunden!) und um unvergessliche Erinnerungen reicher zum Schiff zurück. Am Nachmittag steuerten wir Nordaustlandet mit seiner imposanten Eiskappe an. Auf einer weiteren Ausfahrt mit den Zodiacs konnten wir einige beeindruckende Eisberge und vor allem auch die mehr als 150 Kilometer lange Gletscherfront bestaunen.

Am Abend liessen wir die Schweiz hochleben: auf dem Aussendeck sangen wir zusammen die Nationalhymne, das Schiffshorn erklang zur Feier des Tages und wir stiessen auf den Geburtstag der Schweiz an.

AM NÖRDLICHSTEN PUNKT UNSERER REISE

Heute ergab sich ein „Erholungstag“, ideal um die vielen Eindrücke einzuordnen, Fotos zu sortieren und die Atmosphäre an Bord der MV Sea Spirit zu geniessen.

Am Vormittag fuhren wir die östlich gelegene Insel Kvitøya an. Die Insel ist grösstenteils mit einer Eiskappe bedeckt. Nur ein kleines Stück ist eisfrei – ein geschichtsträchtiger Ort, da dort die Andrée Expedition ein trauriges Ende fand. Der Schwede Salomon August Andrée und seine Begleiter versuchten im Jahr 1897 den Nordpol mit einem Ballon zu erreichen. Das Unterfangen scheiterte und die Männer konnten leider nicht gerettet werden. Erst ungefähr 30 Jahre später wurden die Hinterlassenschaften zufällig gefunden und der Ort erhielt den Namen Andréeneset.

Da dort eine Eisbären-Mutter mit zwei Kleinen am Strand ein Nickerchen hielt, konnten wir nicht an Land gehen. Stattdessen unternahmen wir eine Zodiac-Fahrt und konnten dabei einige Walrosse mit Jungtieren (!) beobachten.

Der Wind blies mit fast 40 Knoten und der Seegang war entsprechend stark. So verbrachten wir den restlichen Tag auf dem Schiff. Spannende Vorträge von unserem Fachreferenten Felix Blumer und dem Expeditionsteam sorgten für Abwechslung.

Zwischendurch passierten wir die kleinen Inseln Foynøya und Karl XII, die im Reiseführer als „das Ende der Welt“ beschrieben sind. Dank schönem Wetter – aber rauer See – bot sich uns ein wunderschönes Panorama. Auf einer der Inseln sahen wir in der Ferne noch einmal einige Eisbären. Unterdessen steht unser offizieller „Eisbären-Zähler“ bereits bei 20…

Im Verlauf des Abends passierten wir beim 81. Breitengrad den nördlichsten Punkt unserer Reise und genossen einmal mehr die Mitternachtssonne.

 

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